Wohnungsmarkt Deutschland

Zielgruppen auf dem Mietwohnungsmarkt

Vermieter (Eigentümer von Wohnraum)

Zielgruppenprofil:

Zu den privaten Vermietern in Deutschland gehören überwiegend Einheimische, also gebürtige Deutsche mittleren und älteren Alters mit einem Einkommen von durchschnittlich bis hoch.
Studien zeigen, dass unter den privaten Eigentümern von Mietobjekten überproportional viele Menschen im höheren mittleren Alter vertreten sind – das durchschnittliche Alter eines privaten Vermieters liegt bei etwa 54 Jahren, wobei die Hälfte von ihnen älter als 55 Jahre ist.

Dies hängt damit zusammen, dass ältere Menschen mehr Zeit hatten, Kapital anzusparen und in Immobilien zu investieren.

Viele Vermieter sind bereits seit Langem in der Vermietung aktiv: Über ein Viertel der Befragten verfügt über mehr als 20 Jahre Vermietungserfahrung.

Der private Mietwohnungsmarkt ist stark fragmentiert – ein erheblicher Anteil der Eigentümer vermietet nur eine Wohnung und betrachtet die Mieteinnahmen eher als Nebenverdienst denn als Hauptgeschäft.

Es ist wichtig zu betonen, dass das Klischee vom „reichen Vermieter“ nicht immer zutrifft. Laut einer Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) haben fast 22 % der privaten Vermieter ein Einkommen unterhalb des Medians, und mehr als die Hälfte erzielt aus der Vermietung weniger als 5.000 € jährlich (nach Steuern).

Das bedeutet: Für viele ist die Vermietung lediglich ein kleiner Zusatzverdienst zur Rente oder zur Hauptbeschäftigung.

ein junger Mann, der in Deutschland eine Wohnung sucht

Sozial gesehen sind die Eigentümer von Wohnraum breit aufgestellt: Unter ihnen finden sich Unternehmer, Angestellte, Rentner und sogar Menschen mit geringem Einkommen.
Dennoch ist Eigentum an Immobilien in Deutschland häufiger bei der einheimischen Bevölkerung verbreitet.
Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes beträgt die Wohneigentumsquote unter Ausländern nur etwa ~28,7 %, während sie bei Bürgern mit deutscher Herkunft deutlich höher liegt.
Das bedeutet, dass die überwiegende Mehrheit der privaten Vermieter einheimische Deutsche ohne Migrationshintergrund sind.

Mieter (Wohnraumnutzer)

Zielgruppenprofil:

Deutschland gilt traditionell als ein „Land der Mieter“, da etwa die Hälfte der Bevölkerung zur Miete wohnt.
Im Mittelpunkt dieser Untersuchung stehen langfristige Mieter, zu denen verschiedene Bevölkerungsgruppen zählen:

  • Einheimische aus anderen Regionen: Viele Deutsche ziehen aus ländlichen Gebieten und Kleinstädten in größere Städte (Berlin, München, Hamburg usw.), um Arbeit oder Ausbildungsmöglichkeiten zu finden. Diese Binnenmigranten machen einen erheblichen Anteil der Mieterschaft aus – insbesondere junge Fachkräfte und Hochschulabsolventen, die ihre Karriere in der Stadt beginnen.

  • Migranten und Spätaussiedler: Ausländische Fachkräfte, Arbeitsmigranten sowie Spätaussiedler (z. B. russlanddeutsche Rückkehrer) bilden eine wichtige Kategorie der Mieter. Die Mehrheit der neu zugezogenen Menschen in Deutschland lebt zunächst zur Miete.
    Statistiken zeigen, dass rund 71 % der ausländischen Bevölkerung in Deutschland gezwungen ist, zur Miete zu wohnen, da die Eigentumsquote unter Migranten deutlich unter dem Durchschnitt liegt. Für hochqualifizierte Fachkräfte aus dem Ausland stellt Miete oft die einzige realistische Wohnform in den ersten Jahren dar.

  • Jugendliche & Studierende: Junge Menschen (20–35 Jahre) wohnen in Deutschland fast immer zur Miete, da sie zu Beginn ihrer Karriere noch kein Kapital für den Kauf von Wohneigentum haben.
    Dazu zählen insbesondere Studierende und Berufseinsteiger, die häufig einzelne Wohnungen oder WG-Zimmer mieten. In dieser Altersgruppe beträgt der Anteil der Mieter über 70 %, laut Schätzungen sogar bis zu 80 % (was indirekt auf die niedrige Eigentumsquote unter jungen Menschen und Familien hindeutet).

  • Kurzzeitmieter aus Zwangslagen: Obwohl der Hauptfokus auf langfristigen Mietverhältnissen liegt, gibt es auch kurzzeitige Mietverhältnisse – etwa für Expats mit 6–12-monatigen Verträgen, Austauschstudenten, Geflüchtete, Asylsuchende oder andere, die kurzfristig eine Unterkunft benötigen. Diese Zielgruppe ist besonders anfällig auf dem Wohnungsmarkt und sieht sich wegen der kurzen Mietdauer oft mit zusätzlichen Schwierigkeiten konfrontiert.

ein Paar aus Deutschland, das eine Wohnung vermieten möchte

So ergibt sich das Bild eines durchschnittlichen Mieters in einer Großstadt: ein junger Fachkraft oder eine Familie, einheimisch oder zugezogen, ohne Wohneigentum. Der Anteil von Menschen mit Migrationshintergrund und ausländischen Staatsangehörigen ist unter Mietern deutlich höher als unter Immobilieneigentümern. So wohnten beispielsweise im Jahr 2017 rund 60 % der Haushalte mit Migrationshintergrund zur Miete, bei Ausländern lag der Anteil sogar bei über 70 %. In Großstädten ist dieser Anteil aufgrund der geringen Erschwinglichkeit von Wohneigentum sogar noch höher.

Schmerzpunkte, Probleme und Barrieren der Zielgruppen

Sowohl Vermieter als auch Mieter stehen auf dem deutschen Wohnungsmarkt vor erheblichen Herausforderungen.
Im Folgenden betrachten wir die spezifischen Schmerzpunkte beider Gruppen im Zusammenhang mit der Vermietung und Anmietung von Wohnraum sowie mit ihrer Interaktion und der Nutzung von Plattformen.

Hauptprobleme und Sorgen der Vermieter

Auswahl verlässlicher Mieter.

Eine der größten Sorgen von Eigentümern ist es, einen zahlungsfähigen, zuverlässigen und ordentlichen Mieter zu finden. Dies geht mit umfangreichen Prüfungen einher: Einkommensnachweise, Bonitätsauskunft (SCHUFA), Referenzen vom vorherigen Wohnort usw. Vermieter verlangen häufig ein umfangreiches Dokumentenpaket von Bewerbern:
die letzten Gehaltsabrechnungen, SCHUFA-Auskunft, ausgefüllte Mieterselbstauskunft (mit persönlichen Angaben), eine Kopie des Arbeitsvertrags sowie eine Empfehlung des vorherigen Vermieters. Die Mieterauswahl wird so zu einem aufwendigen Auswahlprozess. Besonders beunruhigend sind Fälle von „Mietnomaden“ – unzuverlässigen Mietern, die die Zahlung einstellen und die Räumung verzögern.

In Deutschland schützt das Gesetz stark die Rechte der Mieter, weshalb eine gerichtliche Räumung zwischen einem halben und bis zu einem Jahr dauern kann (in Einzelfällen sogar bis zu 2 Jahren!), und während dieser Zeit erhält der Eigentümer keine Mieteinnahmen. Im Durchschnitt muss man mit mindestens 6–12 Monaten Gerichtsverfahren rechnen, bis die Wohnung zurückgegeben wird. Infolgedessen werden Bewerber mit niedrigem Einkommen, negativem SCHUFA-Score oder instabilen Einkommensverhältnissen häufig abgelehnt. Dies führt zu einem Dilemma: Einerseits gilt Diskriminierung als unzulässig (man darf etwa die Herkunft nicht als Ausschlusskriterium nutzen), andererseits möchten viele Eigentümer finanzielle Risiken vermeiden – und schließen dadurch ganze Gruppen aus dem Mietmarkt faktisch aus.

Rechtliche und bürokratische Hürden.

Die Verwaltung von Mietverhältnissen ist mit Bürokratie verbunden. Es gilt, den Mietvertrag korrekt aufzusetzen, gesetzliche Vorgaben einzuhalten (zum Beispiel Mietpreisbremse – Begrenzung der Mietsteigerung in angespannten Wohnungsmärkten), die Kaution auf ein separates Konto einzuzahlen, jährlich die Nebenkostenabrechnung (Abrechnung der Betriebskosten) zu erstellen. Jegliche Fehler können zu Streitigkeiten oder gar Gerichtsverfahren mit dem Mieter führen.

Vermieter fürchten juristische Fehler bei Kündigungen oder Mieterhöhungen. Wird der Mietvertrag beispielsweise falsch gekündigt, kann dies als unwirksam gelten – eine Räumung wird unmöglich. Das Gesetz schreibt außerdem Fristen vor: Selbst bei groben Pflichtverletzungen des Mieters (z. B. Zahlungsverzug) muss ihm eine Frist zur Begleichung der Schulden von bis zu 2 Monaten eingeräumt werden. Ein Eigentümer, der mit den Details nicht vertraut ist, läuft Gefahr, mit einem problematischen Mieter langfristig „festzuhängen“.

Daher sind rechtliche Fragen (Vertragsgestaltung, Einhaltung gesetzlicher Vorgaben, Besteuerung der Mieteinnahmen) – ein ständiges Kopfzerbrechen für unerfahrene Vermieter.

Immobilienverwaltung und Kosten.

Die langfristige Vermietung erfordert die Instandhaltung der Immobilie: rechtzeitige Reparaturen, Behebung von Mängeln, Austausch von Technik. Vermieter sind verpflichtet, die Bewohnbarkeit sicherzustellen – z. B. wenn die Heizungsanlage ausfällt, müssen sie für Reparatur oder Ersatz sorgen. Finanziell bedeutet das: Rücklagen für Reparaturen bilden, Sachversicherungen abschließen (z. B. gegen Schäden durch Mieter oder höhere Gewalt). Ein zusätzlicher Hinderungsgrund – die Steuerlast: Mieteinnahmen unterliegen der Einkommenssteuer, was die Buchführung und das Ausfüllen der Anlage V in der Steuererklärung erfordert. Nicht alle privaten Vermieter sind ausreichend informiert, welche Kosten absetzbar sind, und fürchten sich vor steuerlichen Pflichten.

Risiko von Sachschäden und Konflikten.

Neben Mietausfällen haben Eigentümer Angst, dass Mieter schlecht mit der Wohnung umgehen: Schäden verursachen, die nicht durch die Kaution gedeckt sind, gegen Hausordnungen verstoßen (z. B. Lärm, unerwünschte Besucher) oder Probleme mit Nachbarn bzw. der Hausverwaltung verursachen.
Die Lösung solcher Konflikte (schriftliche Abmahnungen, rechtliche Streitigkeiten) bedeutet Stress für Vermieter, insbesondere wenn sie nicht selbst im Haus wohnen.
Private Vermieter sind oft emotional mit ihrer Immobilie verbunden. Viele schrecken davor zurück, an Familien mit kleinen Kindern oder Tierhaltern zu vermieten – aus Angst vor Lärm oder höherem Verschleiß, auch wenn Diskriminierung gesetzlich verboten ist. In den Medien wird darauf hingewiesen, dass in der Praxis Diskriminierung stattfindet: „wer Kopftuch trägt, aus der Hubschaustraße kommt, mehr als zwei Kinder hat oder Sozialhilfe bezieht – der hat es besonders schwer, eine Wohnung zu finden“. Das zeigt verdeckte Vorbehalte gegenüber bestimmten Mietergruppen (und gesetzeswidrige Ungleichbehandlung).

Zu viele Bewerbungen und Belastung für den Vermieter.

Angesichts des Wohnraummangels erhält jedes Wohnungsinserat dutzende, wenn nicht hunderte Anfragen. Beliebte Objekte erhalten eine enorme Anzahl an Rückmeldungen – in München oder Berlin etwa können auf eine Anzeige in den ersten Tagen über 100 Bewerbungen eingehen. Für Privatvermieter bedeutet das eine mühsame Vorauswahl: Bewerbungen prüfen, kommunizieren, Besichtigungstermine vereinbaren. Laut Studien organisieren 57 % der privaten Vermieter Wohnungsvermittlungen über persönliche Kontakte (Bekannte, Empfehlungen), um den Aufwand zu reduzieren. Die übrigen müssen Anzeigen veröffentlichen und mit der Flut an Anfragen umgehen. Das bringt das Problem „unnötiger“ Bewerbungen mit sich. Manche Eigentümer wollen nur gezielt inserieren (z. B. nach 20 passenden Kontakten die Anzeige sofort schließen). Andere nutzen spezialisierte Plattformen, um die Vorauswahl zu erleichtern. Plattformen wie Wunderflats oder Vermietet.de bieten oft Services zur Mieterprüfung an – sie verifizieren Identität, Bonität (überprüfen Einkommen, SCHUFA, Arbeitsverhältnis) und stellen geprüfte Daten bereit. Das nimmt Vermietern Arbeit ab – allerdings gegen eine entsprechende Provision.

Die zentralen Anliegen von Vermietern – einen verlässlichen Mieter finden und sich gegen Risiken absichern. Sie legen Wert auf die Zahlungsfähigkeit der Kandidaten, die Einhaltung gesetzlicher Vorschriften, den Schutz des Eigentums und die Vermeidung von Leerstand. Viele sind bereit, die Miete „für Bekannte“ etwas zu senken, wenn sie dafür verantwortungsbewusste Mieter bekommen, die langfristig und ruhig wohnen. Daher die Beliebtheit gründlicher Prüfungen, das Misstrauen gegenüber unbekannten oder ausländischen Bewerbern sowie der Wunsch, alle verfügbaren Auswahlmechanismen zu nutzen (Empfehlungen, kostenpflichtige Bonitätsprüfungen, Plattformdienste).

Zentrale Probleme und Barrieren für Mieter

Wohnraummangel und hoher Wettbewerb.

Das Hauptproblem für Mieter in Deutschland ist – Wohnraum zu finden bei offensichtlich zu wenig Angeboten. In Großstädten übersteigt die Nachfrage das Angebot deutlich, freie Wohnungen sind sofort vergeben. Bewerber erleben oft Situationen, in denen sich auf eine Wohnung dutzende andere Interessenten melden. Das führt zu einem Wettbewerb, der an ein Auswahlverfahren erinnert: Jeder muss eine vollständige „Bewerbermappe“ vorlegen, zu Massenbesichtigungen erscheinen und sich regelrecht um die Aufmerksamkeit des Vermieters bewerben.

Viele vergleichen die Wohnungssuche mit der Jobsuche. Beispielsweise erhält man auf viele Inserate nicht einmal eine Rückmeldung, da der Vermieter in der Flut der Anfragen nur wenige auswählt. Laut Experten – und laut dem größten deutschen Portal ImmoScout24 – gilt: „Ohne SCHUFA-Auskunft läuft gar nichts“, daher wird empfohlen, die Unterlagen so früh wie möglich vorzulegen. Obwohl das Gesetz verbietet, vor Vertragsabschluss bestimmte Informationen zu verlangen, ist die Realität: Wer kein perfektes Dokumentenpaket vorlegt, hat kaum Chancen. Mietinteressenten müssen sich mit diesen inoffiziellen Regeln arrangieren.

Komplexität der Anforderungen und Unterlagen.

Fast jede Bewerbung erfordert eine umfassende Dokumentenmappe. Der Standard umfasst: aktuelle Bonitätsauskunft (SCHUFA), Einkommensnachweise der letzten 3 Monate, Kopie des Arbeitsvertrags oder eine Bescheinigung über die Beschäftigung, Reisepass/Personalausweis, ausgefüllte Selbstauskunft (Mieterselbstauskunft) mit persönlichen Angaben (Familienstand, Haustiere, Wohnverhalten), ggf. Empfehlungsschreiben vom vorherigen Vermieter (Mietschuldenfreiheitsbescheinigung – Nachweis über keine Mietschulden).
Für ausländische Bewerber kommen noch Aufenthaltstitel oder Visum hinzu.

Das Sammeln und Aktualisieren dieser Unterlagen ist zeit- und kostenintensiv für Mieter. Zum Beispiel ist die SCHUFA-Auskunft kostenpflichtig (bei ImmoScout24 ~30 €) – und muss oft bei jeder neuen Bewerbung aktualisiert werden. Viele Mieter berichten, dass sie gezwungen sind, bei jeder Bewerbung ihre Kreditwürdigkeit erneut nachzuweisen, obwohl sie rechtlich nicht verpflichtet wären, dies in einem so frühen Stadium zu tun. In der Praxis aber gilt: „Ohne SCHUFA geht gar nichts“ – so das Urteil von ImmoScout. Damit wird die SCHUFA-Auskunft zu einer Art stiller Zugangskontrolle: Menschen mit unsicherem Einkommen, in Probezeit oder ohne unbefristete Arbeitsverträge haben es schwer. Junge Berufseinsteiger, Selbstständige oder Fachkräfte aus dem Ausland mit keiner oder negativer SCHUFA-Bewertung (oder gar keiner) scheitern oft bereits in der Vorauswahl.

Barriere für Ausländer und Newcomer.

Für Menschen, die neu nach Deutschland kommen (z. B. Fachkräfte, Studierende, Geflüchtete), besteht ein Teufelskreis: Um eine Wohnung zu mieten, benötigt man ein Konto bei einer deutschen Bank und eine Bonitätshistorie – aber um ein Konto zu eröffnen und eine Bonität aufzubauen, braucht man eine Wohnadresse in Deutschland. Der CEO des Dienstes Wunderflats formulierte es treffend:

„Wer eine Wohnung mieten will, braucht eine SCHUFA – und die bekommt man nur mit einem deutschen Bankkonto. Und ein Konto – nur, wenn man bereits eine Adresse hat.“

Dieses „Catch-22“ stellt eine enorme Hürde für Neuankömmlinge dar. Oft müssen sie Umwege suchen – z. B. vorübergehend in Hostels wohnen, bei Freunden unterkommen, die eine Anmeldung ermöglichen, oder teure Maklerdienste nutzen. Sogar hochqualifizierte ausländische IT-Fachkräfte und Wissenschaftler stehen vor dem Problem, dass ihre Anfragen aufgrund fehlender Bonitätsdaten abgelehnt werden.

Ein weiterer Faktor ist die Sprachbarriere: Mietverträge sind auf Deutsch, rechtliche Feinheiten oft unklar, und Vermieter sind selten bereit, Informationen auf Englisch bereitzustellen. Das erzeugt zusätzlichen Stress und das Gefühl, nicht willkommen zu sein.

Viele Einwanderer berichten von Diskriminierung aufgrund von Name oder Herkunft – was auch durch Experimente belegt wurde. Journalisten fanden heraus, dass Bewerbungen mit deutschem Nachnamen deutlich häufiger Rückmeldungen erhalten als solche mit ausländisch klingenden Namen. Im Test von 2017 erhielt jede vierte Bewerbung mit „nicht-deutschem“ Namen eine Absage an Stellen, wo Bewerber mit „deutschem“ Namen Zusagen bekamen. Sogar Bewerber mit ausländischem Pass, aber deutschem Namen (z. B. durch Heirat), hatten messbar bessere Chancen. Der Spiegel schrieb treffend:

„Der erste Blick auf den Nachnamen: alltägliche Diskriminierung auf dem Wohnungsmarkt.“

Daher empfinden Einwanderer und Geflüchtete die Wohnungssuche als besonders herausfordernde Mission, geprägt von Mangel, Stress und Vorurteilen.

Stressige Besichtigungen und Auswahlverfahren.

In beliebten Städten sind Massenbesichtigungen üblich: 20–30 Bewerber werden gleichzeitig eingeladen, um eine Wohnung anzusehen. Für Mieter ist das eine äußerst stressige Situation – ein regelrechtes Wettbewerbscasting vor Ort. Man muss dem Vermieter oder Makler sofort sympathisch wirken, „richtige“ Fragen stellen und Ernsthaftigkeit signalisieren.

Viele bereiten personalisierte Anschreiben vor („Warum gerade ich – der ideale Mieter“) und legen sie der Bewerbung bei, um aufzufallen. Plattformen empfehlen gezielt solche Tricks: ImmoScout24 rät, ein Begleitschreiben und eine vollständige Bewerbermappe einzureichen, um die Chancen zu erhöhen. Einerseits hilft das engagierten Mietern, sich zu präsentieren – andererseits kann jeder kleine Fehler die Chance kosten.

Ein professioneller Makler bemerkt:

„Bei ImmoScout können schon kleine Tippfehler in der Bewerbung dazu führen, dass man keine Einladung zur Besichtigung erhält.“

Das heißt, Mieter müssen zu Selbstvermarktern ihrer eigenen Person werden. Doch nicht alle beherrschen das – Introvertierte oder Menschen ohne Erfahrung in solchen Schreiben stehen im Nachteil.

Die Situation „Bittsteller gegen auswählenden Vermieter“ übt psychischen Druck aus.
Viele Bewerber fühlen sich entmündigt und gezwungen, sich unterzuordnen, obwohl sie laut Gesetz viele Rechte haben.

Finanzielle Belastung und Vertragsbedingungen.

Hat man eine Wohnung gefunden, muss man als Mieter zunächst eine erhebliche Summe aufbringen: die Kaution beträgt in der Regel 3 Monatskaltmieten,
plus die Miete für den ersten Monat im Voraus. Insgesamt muss man beim Einzug oft 4 Monatsmieten zahlen – was in Großstädten mehrere tausend Euro bedeuten kann.
Für viele ist das Sammeln dieses Betrags ein echtes Hindernis. Ja, die Kaution wird später zurückgezahlt (sofern keine Schäden entstehen),
aber zum Einzugszeitpunkt stellt sie eine erhebliche Belastung dar – oft mehr als ein Monatseinkommen.

Ein weiterer Punkt – die Vertragsbedingungen. Ein typischer Mietvertrag kann Klauseln zur Mietindexierung, zur Pflicht des Mieters für kleinere Reparaturen,
oder zu Regeln für den Zustand der Wohnung enthalten (z. B. „Wände beim Auszug weiß streichen“, Verbot von Bohren ohne Erlaubnis etc.).

Neulinge auf dem Mietmarkt wissen oft nicht, welche Regelungen gesetzlich erlaubt sind – und welche nicht. Obwohl es viele gesetzliche Schutzregelungen für Mieter gibt (z. B. maximal 15 % Mieterhöhung in 3 Jahren in Gebieten mit Mietpreisbremse, Pflicht zur Begründung der Betriebskosten, klare Räumungsvorschriften usw.), ist die Rechtskenntnis vieler Mieter gering, besonders bei jungen Menschen und Ausländern.

Sie fürchten oft, ihre Rechte geltend zu machen, weil sie das Verhältnis zum Vermieter nicht belasten wollen. Zum Beispiel wissen viele nicht, dass die Forderung einer SCHUFA beim Erstkontakt – illegal ist (gesetzlich darf sie erst nach Vertragsverhandlung verlangt werden). In der Praxis beschweren sich Mieter jedoch selten, sondern zahlen einfach und reichen alles ein, aus Angst, die Wohnung zu verlieren.

Diese Informationsasymmetrie ist eine weitere Barriere: Wer auf dem deutschen Mietmarkt erfolgreich agieren will, muss nicht nur die Sprache, sondern auch die Gesetze, Vorschriften und lokalen Besonderheiten kennen, über die viele einfach nicht verfügen.

Schwächen bestehender Plattformen für Mieter.

Große Online-Portale sind das wichtigste Suchinstrument, aber auch sie haben aus Sicht der Mieter Schwächen. Bei ImmoScout24 gibt es ein System mit exklusiven Anzeigen:
Ein Teil der Inserate ist in den ersten 3 Tagen nur für zahlende Mitglieder von MieterPlus sichtbar (siehe unten). Für kostenlose Nutzer bedeutet das verpasste Chancen – zu dem Zeitpunkt, an dem die Anzeige öffentlich wird, hat sie oft schon genügend Anfragen gesammelt. Experten bezeichnen dies als klaren Nachteil für Mietinteressenten.

Auf Immowelt sind die Angebote sofort sichtbar, doch dort ist der Wettbewerb etwas geringer und die Rücklaufquote eventuell höher. Dafür gibt es dort weniger Komfort bei der Bewerbung – man kann z. B. kein aussagekräftiges Profil erstellen oder sich individuell abheben, da das Antwortformular recht simpel ist.

Einige Mieter berichten zudem, dass Betrugsfälle vorkommen (besonders auf kostenlosen Plattformen wie eBay Kleinanzeigen) – z. B. verlangen Fake-Vermieter Vorauszahlungen für Reservierungen oder versuchen, persönliche Daten abzufischen. Auf größeren Portalen ist dies dank Moderation seltener, aber Misstrauen besteht dennoch.

Für Mieter ist die Wohnungssuche stressig, langwierig und kostenintensiv.

Die größten Hürden: eine passende Wohnung finden und sich gegenüber der Konkurrenz durchsetzen. Sie sind frustriert über die vielen Unterlagen, über das Ausbleiben von Rückmeldungen oder Ablehnungen, über zahlreiche Besichtigungen ohne Erfolg. Neuankömmlinge stoßen zusätzlich auf bürokratische Hürden (fehlende Unterlagen) und Vorurteile. Die finanzielle Einstiegshürde (Kaution) und die Angst vor „unfairen“ Vertragskonditionen verursachen zusätzlichen Druck.

Viele Mieter in Deutschland fühlen sich in einer verwundbaren Lage und empfinden die Situation mit dem Satz: „Mieter auf dem angespannten Markt sind überfordert.“ Deshalb versuchen sie, sich gegenseitig zu helfen (z. B. durch Communities, Tipps) und schätzen Plattformen oder Services, die den Prozess vereinfachen.

Analyse führender Mietplattformen in Deutschland

Der deutsche Online-Immobilienmarkt wird von mehreren großen Portalen dominiert, von denen ImmobilienScout24 (ImmoScout24) und Immowelt die wichtigsten für den langfristigen Mietsektor sind. Im Folgenden betrachten wir ihre Funktionen, Interface-Besonderheiten, Vor- und Nachteile sowie den Umgang mit Verifizierung und Bewerbungsverfahren. Weitere Anbieter werden ebenfalls kurz erwähnt.

ImmoScout24 (ImmobilienScout24)

screen ImmoScout24

Allgemeine Beschreibung:

Das größte Immobilienportal Deutschlands und unangefochtener Marktführer in puncto Reichweite. Die monatliche Besucherzahl von ImmoScout24 wird auf ca. 40 Millionen Besuche geschätzt – etwa doppelt so viel wie beim nächstgrößeren Konkurrenten Immowelt. Das Portal deckt alle Bereiche ab: Vermietung, Verkauf, Gewerbeimmobilien, Neubauprojekte.

Für Mieter ist ImmoScout24 besonders attraktiv wegen der breiten Auswahl an Inseraten: „Nirgendwo sonst finden Sie eine solche Angebotsvielfalt“, so ein Experte. Allerdings hat diese große Reichweite auch eine Kehrseite – auf ImmoScout24 herrscht ein besonders starker Wettbewerb unter Suchenden. Die Plattform existiert bereits seit den 1990er-Jahren und verfügt über einen sehr ausgereiften Funktionsumfang.

Funktionen und Möglichkeiten:

ImmoScout24 bietet leistungsstarke Such- und Filterfunktionen. Man kann nach Stadtteil, Preis, Größe, Haustierhaltung, Parkplatz etc. filtern.
Es gibt eine praktische mobile App und eine übersichtliche Website (auch wenn manche Nutzer das mobile UX als etwas überladen empfinden – im Vergleich zu Immowelt).

Für Vermieter bietet ImmoScout24 verschiedene Tools: Auswahl von Bewerbern, Marketing-Tools, Highlight-Optionen, Werbung von Inseraten, Nachfrageanalyse. Das Portal verwendet Algorithmus-basierte Rankings: fortschrittliche Anzeigen erscheinen zuerst, während weniger relevante weiter unten gelistet werden. So analysiert die Plattform das Verhalten der Nutzer und sortiert die Suchergebnisse dementsprechend.

Benutzeroberfläche und Usability:

Die Oberfläche von ImmoScout24 gilt als intuitiv und funktionsreich. Für professionelle Nutzer (Makler, Agenturen) gibt es ein Dashboard zur Objektverwaltung, Statistiken und sogar API-Integration. Aus Mietersicht ist die Suchfunktion komfortabel, jedoch ist das Design der Inserate eher schlicht, ohne besondere Raffinesse.

Experten merken an, dass Immowelt als „ruhiger“ und fotofreundlicher wahrgenommen wird, da ImmoScout24 teils visuell überladen wirkt. Gerade auf dem Smartphone wird Immowelt oft bevorzugt bewertet:

„Was Übersicht und Handhabung angeht – besonders mobil – liegt Immowelt vor ImmoScout24… Fotos lassen sich leichter durchblättern, Favoriten sind klarer markiert.“

Trotzdem bleibt ImmoScout24 Marktführer – wohl wegen seiner etablierten Position und der riesigen Datenbasis.

Stärken:

Das Hauptargument ist Größe und Reichweite. Tatsächlich schalten die meisten Vermieter ihre Inserate hier, was bedeutet, dass Mieter hier die besten Chancen haben, passende Wohnungen zu finden.

Das Portal bietet zudem erweiterte Funktionen zur Steigerung der Mietchancen: Das kostenpflichtige Abonnement MieterPlus bringt diverse Vorteile (siehe unten). ImmoScout24 treibt auch die Digitalisierung aktiv voran – seit 2021 arbeitet es mit dem PropTech-Dienst Aroov zusammen, um digitale Bewerbungsprozesse zu ermöglichen: Mieter können sich direkt online bewerben, die Verwaltung der Immobilienunternehmen kann Bewerbungen über ein integriertes System abwickeln. Dieser durchgängige Online-Prozess spart beiden Seiten Zeit:

„Der ganze Bewerbungsprozess ist einfacher, intuitiver und schneller geworden“,

so ein Manager von ImmoScout.

ImmoScout24 ist außerdem für strikte Moderation bekannt: Fälle von Betrug oder Fake-Inseraten sind seltener als bei kostenlosen Plattformen. Für Vermieter bleibt ImmoScout24 der effizienteste Kanal, um schnell eine breite Zielgruppe zu erreichen – besonders, wenn viele Bewerbungen in kurzer Zeit erwünscht sind.

Schwächen:

Die Kritik an ImmoScout24 richtet sich vor allem gegen dessen kommerzielle Strategie. Hohe Kosten für professionelle Nutzer – Makler und Agenturen beklagen, dass die Preise für Inserate jährlich steigen und „die Preise den Bezug zur Realität verloren haben“. Einige Agenturen kehren ImmoScout24 sogar den Rücken und nutzen alternative Kanäle, weil sie der Meinung sind, dass die Zahl der Anfragen nicht steigt, wohl aber der Preis pro Anzeige.

Für Privatpersonen hat ImmoScout24 vor Kurzem die kostenlose Inseratsoption eingeführt (um mit eBay Kleinanzeigen mitzuhalten) – aber diese kostenlosen Anzeigen werden in den ersten 48 Stunden nur zahlenden Nutzern von MieterPlus angezeigt. Das bedeutet in der Praxis: zahlender Zugang zu neuen Inseraten für Mieter. MieterPlus-Abonnenten sehen viele neue Angebote zuerst, was laut Experten ein klarer Nachteil ist:

„ImmoScout hat ein Feature eingeführt, bei dem Mieter zahlen müssen, um sich auf manche Anzeigen bewerben zu können. Ohne Zahlung sieht man sie später – ein deutlicher Nachteil bei der Wohnungsvergabe.“

Die günstigste MieterPlus-Mitgliedschaft kostet etwa 30 € im Monat (mindestens 3 Monate = ca. 90 €), was viele als teuer empfinden. Daher wird ImmoScout oft als „kostenpflichtiges, aber notwendiges“ Tool angesehen.

Ein weiteres Problem: überforderte Vermieter durch zu viele Bewerbungen. Beliebte Objekte erhalten derart viele Anfragen, dass sich die Bewerbung eines Mieters kaum noch abheben kann (selbst wenn sein Profil ideal erscheint).

ImmoScout versucht, dieses Problem durch Tools wie MieterPlus zu lösen (z. B. bevorzugte Anfragen, vollständige Unterlagen, Selbstauskunft etc.). Aber in der Praxis ist der Vorteil oft nicht sichtbar: Ein Plus-Symbol bei der Bewerbung ist das einzige Unterscheidungsmerkmal – danach wird alles wie gewohnt sortiert.

Insgesamt berichten viele Vermieter, dass sie alle Bewerbungen pauschal behandeln – sie erhalten zu viele Anfragen, um überhaupt zu selektieren. Das führt dazu, dass der Vorteil von MieterPlus oft verpufft: Die Bewerbung landet einfach im selben „Stapel“, wie alle anderen.

ImmoScout24 bleibt führend in der Sichtbarkeit, aber für Mieter wirkt der Bezahlzugang zu Anzeigen oft wie eine Hürde, und für professionelle Vermieter sind die steigenden Preise bei sinkender Qualität der Leads ein ernstes Thema.

Verifizierungs- und Bewerbungsmodell (ImmoScout24):

Für Mieter hat ImmoScout24 den Dienst „MieterPlus-Bewerbung“ eingeführt – über ein Abonnement können Nutzer eine professionelle digitale Bewerbermappe erstellen (Bewerbungsunterlagen inkl. aller Dokumente). Diese fertige Mappe wird mit nur einem Klick an jede Bewerbung angehängt – das spart Zeit.

Allerdings berichten Nutzer, dass das standardisierte Formular auch nachteilig sein kann: Vermieter erhalten massenhaft gleichförmige Bewerbungen, und der Effekt der Individualität geht verloren.

Darüber hinaus bietet ImmoScout den „Chancen-Check“ – ein Analysemodul für Abonnenten, das auf Basis der Nutzerdaten die Wahrscheinlichkeit einschätzt, erfolgreich eine Wohnung zu finden. Es berücksichtigt Einkommen, Haushaltsgröße, Passung zur Wohnungsgröße usw., liefert aber vor allem allgemeine Tipps (z. B. „stetiges Einkommen nachweisen“, „engagiert auftreten“), die das Problem nicht direkt lösen.

Vermieter sehen diesen Score nicht, er dient lediglich als Orientierungshilfe für den Mieter.

Die Verifizierung von Mietern erfolgt teilweise über Partnerplattformen: Zum Beispiel kann man über ImmoScout eine offizielle SCHUFA-Auskunft einholen – das System markiert das Profil dann als bonitätsgeprüft. ImmoScout24 bestätigt zusätzlich Accounts über E-Mail oder Telefonnummer, aber eine vollständige KYC-Verifizierung ist nicht erforderlich.

Für Vermieter (vor allem private) ist keine Verifizierung bei Inseratserstellung erforderlich – es gibt also keine Pflicht zur Identitätsprüfung oder Eigentumsnachweis. Dadurch bleibt die Plattform teilweise anfällig für Fake-Inserate, auch wenn darüber relativ wenig öffentlich kommuniziert wird.

Im Jahr 2021 wurde ImmoScout24 mit dem System Aroov integriert – einer Plattform, die auf professionelle Immobilienverwalter ausgerichtet ist: Bewerbungen können nun digital empfangen und verarbeitet werden. Das heißt: Der Mieter füllt über ImmoScout ein digitales Formular aus, das direkt ins Verwaltungssystem des Vermieters übergeht.
Dies beschleunigt den Informationsaustausch und Auswahlprozess. Laut Entwicklern müssen Daten nicht manuell übertragen werden – alles läuft in einem System,
was beiden Seiten Zeit spart.

Für private Vermieter bietet ImmoScout24 eine Chat- und Postfachfunktion, über die Anfragen innerhalb der Plattform verwaltet werden. MieterPlus-Abonnenten erscheinen angeblich ganz oben im Posteingang des Vermieters. In der Praxis ist der Unterschied jedoch oft gering: Die Bewerbung ist lediglich mit einem „Plus“-Symbol versehen, und sortiert wird nach zwei Gruppen: Plus und regulär. Innerhalb jeder Gruppe wird nach Eingangszeit sortiert, wobei auch ein späterer „Plus“-Bewerber hinter einem früheren kostenlosen Bewerber landet.

Exklusive Inserate sind ein weiteres Element: Viele Anzeigen sind für 48 Stunden nur für Abonnenten sichtbar. Das erhöht den Druck, ein MieterPlus-Abo abzuschließen – ein Modell, das ImmoScout24 erhebliche Einnahmen bringt (im Jahr 2023 lag der Umsatz mit Abos wie MieterPlus/BuyerPlus bei ca. 72 Mio. €).

Allerdings kritisieren viele professionelle Agenturen genau dieses Exklusivitätsprinzip, denn es geht weniger darum, den besten Mieter zu finden, sondern wer zuerst zahlt, sieht zuerst. „ImmoScout24 monetarisiert die angespannte Marktlage“ – so lautet ein häufiger Kritikpunkt.

Fazit zu ImmoScout24:

Als unangefochtener Marktführer in Bezug auf Anzahl der Inserate und Nutzer bietet ImmoScout24 einen großen Funktionsumfang, führt jedoch zahlreiche kostenpflichtige Elemente ein, die den gleichberechtigten Zugang einschränken.

Vermieter schätzen die große Reichweite und die Tools zur professionellen Anzeigenverwaltung. Mieter sind gezwungen, ImmoScout zu nutzen – aufgrund der Vielzahl an Angeboten – beklagen sich aber über die Bezahlschranken und den hohen Konkurrenzdruck.

Die Benutzeroberfläche ist funktional, aber nicht unbedingt die visuell angenehmste. ImmoScout24 bleibt der Marktstandard, eine Art „Must-Use“-Plattform Nr. 1. Gleichzeitig versucht das Unternehmen, seine Führungsposition gegenüber neuen Alternativen durch neue Technologien (z. B. digitale Bewerbungen, Integrationen) und exklusiven Content zu behaupten.

Screenshot Immowelt

 

Allgemeine Beschreibung:

Immowelt ist das zweitgrößte Immobilienportal Deutschlands mit rund 15 Millionen monatlichen Besuchen. Ursprünglich war Immowelt ein eigenständiges Unternehmen und direkter Konkurrent von ImmoScout, bis es vor einigen Jahren mit Immonet (damals drittgrößtes Portal) unter einem Medienkonzern fusionierte. Heute bilden Immowelt und Immonet faktisch eine gemeinsame Datenbasis – die kombinierte Reichweite beider Portale liegt bei 22–25 Millionen Besuchen im Monat.

Immowelt bietet – wie ImmoScout – Kategorien für Vermietung, Verkauf und Kauf von Immobilien. Reichweitentechnisch liegt Immowelt hinter ImmoScout24, besitzt aber weiterhin eine umfangreiche Datenbank an Inseraten und hohe Markenbekanntheit. Mieter beobachten in der Regel beide Portale parallel, um keine Angebote zu verpassen.

Funktionen und Möglichkeiten:

Immowelt bietet alle grundlegenden Suchfunktionen (Filter nach Preis, Größe, Lage, Merkmalen). Die Benutzeroberfläche unterscheidet sich etwas – viele sagen, dass Immowelt übersichtlicher für die schnelle Ansicht von Bildern und Anzeigen auf mobilen Geräten ist.

Die Plattform erlaubt Vermietern das kostenlose Inserieren für Privatpersonen (eine Anzeige alle 24 Monate) oder gegen Gebühr für gewerbliche Nutzer. Laut Website können Privatpersonen Anzeigen bereits „ab 0 €“ schalten, wenn bestimmte Bedingungen erfüllt sind (z. B. lange Inaktivität des Accounts).

Im Gegensatz zu ImmoScout verzichtet Immowelt auf kostenpflichtige Frühzugriffe (wie MieterPlus)alle Anzeigen sind sofort für alle Nutzer gleichermaßen sichtbar, es gibt keine Wartezeit oder bevorzugte Sortierung.

Viele finden Immowelt attraktiver, z. B. wegen der schnellen Ladezeiten, der App, Favoritenfunktion, Vergleichstools etc. Die Plattform wird auch auf Partnerseiten (wie Zeitungen, eBay Kleinanzeigen) ausgespielt – was die Reichweite zusätzlich erhöht.

Benutzeroberfläche und Usability:

Das Design von Immowelt gilt als „klarer“ und moderner. Besonders gelobt wird der visuelle Aufbau bei der Objektsuche:

„Immowelt ist ideal für alle, die gern per Bild stöbern – das Durchblättern ist leicht, die Inserate wirken ruhig und ästhetisch.“

Die Navigation ist übersichtlich, die Seitenstruktur intuitiv. Im Nutzerkonto kann man Favoriten speichern, automatische Benachrichtigungen zu neuen Angeboten nach Wunschkriterien einrichten.

Funktional ist Immowelt allerdings etwas schwächer als ImmoScout – die Kontaktaufnahme ist weniger strukturiert. Während man bei ImmoScout beim Anschreiben viele Felder zu sich selbst ausfüllen kann (z. B. Einkommen, Beruf, persönliche Nachricht), werden bei Immowelt oft nur die Kontaktdaten und die Nachricht ohne strukturierte Angaben direkt an den Vermieter weitergeleitet.

Ein Experte formuliert es so:

„Die Anfrageform bei Immowelt ist weniger strukturiert – Sie können sich also nicht so gut über eine sorgfältige Ausfüllung abheben wie bei ImmoScout.“

Für viele Mieter ist das ein Nachteil in Bezug auf Selbstpräsentation (keine Zusatzfelder, keine Dokumentenanlagen). Andererseits ist die Einfachheit ein Vorteil – man muss kein langes Formular ausfüllen, ein Klick mit Nachricht genügt.

Stärken:

Weniger Konkurrenz unter Bewerbern. Da Immowelt weniger populär ist, erhält jede Anzeige hier in der Regel weniger Bewerbungen als auf ImmoScout. Für Mieter bedeutet das bessere Chancen, zur Besichtigung eingeladen zu werden. Ein Makler sagt:

„Bei Immowelt ist der Wettbewerb etwas geringer, daher ist die Wahrscheinlichkeit, die Wohnung zu bekommen, höher.“

Keine kostenpflichtige Zugangssperre für Mieter – ein weiterer Vorteil. Alle Nutzer sehen Angebote gleichzeitig, niemand hat durch Bezahlung einen Zeitvorsprung. Das macht Immowelt in den Augen vieler fairer.

Gutes mobiles Sucherlebnis: Immowelt hat sein UX für Smartphones spürbar verbessert – was besonders junge Nutzer schätzen. Durch Partnerschaften mit großen Medienplattformen werden Inserate zusätzlich auf anderen Seiten angezeigt – mehr Reichweite für Vermieter.

Geringere Kosten für Vermieter: Laut Berichten sind die Preise für gewerbliche Nutzer niedriger als bei ImmoScout. Während ImmoScout die Preise in den letzten 10 Jahren mehrfach stark angehoben hat, blieb Immowelt stabil (etwa 5-fach günstiger laut Vergleichen der Grundtarife). Deshalb nutzen manche Vermieter – besonders in den Regionen – Immowelt wegen der geringeren Kosten.

Immowelt ist auch bekannt für guten Kundensupport und etwas weniger strenge Anforderungen an die Inseratsgestaltung, z. B. bei Formulierungen, wo das AGG (Antidiskriminierungsgesetz) eingehalten werden muss.

Schwächen:

Das Hauptproblem – weniger Inserate als bei Scout24. Einige Eigentümer inserieren ausschließlich bei ImmoScout24 (insbesondere bei hochwertigen Objekten in Top-Lagen), weshalb bei Immowelt manche attraktive Wohnungen nicht auftauchen. Mieter müssen also beide Plattformen beobachten, wobei Immowelt eher ergänzend genutzt wird – nicht als vollwertiger Ersatz.

Zudem bietet Immowelt etwas weniger Funktionalität: Es fehlen z. B. ein eigenes Anfrageverwaltungssystem oder Premium-Markierungen. (Zugleich ist das für manche Nutzer ein Vorteil – weil es einfacher bleibt.)

Bis vor Kurzem hatte Immowelt keine eigene Lösung für digitale Bewerbungsprozesse, daher gingen Antworten direkt als E-Mail an den Vermieter – insgesamt ist der Vorgang etwas weniger integriert als bei ImmoScout mit seinen API-Systemen.

Ein weiterer Nachteil – geringere Markenbekanntheit außerhalb Deutschlands. Internationale Bewerber, die den Markt nicht kennen, finden meist zuerst ImmoScout. Für Expats, ausländische Studierende oder Fachkräfte ist Immowelt weniger präsent.

Und schließlich: weniger Zusatzangebote – während ImmoScout viele Tools, Rankings, Bonitätsprüfungen bietet, ist Immowelt mehr auf Inserate und Suche fokussiert, weniger auf Content und datenbasierte Services.

Bewerbungsprozess (Immowelt):

Da es bei Immowelt kein kostenpflichtiges Mieter-Abo gibt, sind alle Anfragen gleichgestellt. Nach dem Absenden einer Anfrage kann man als Nutzer eine fertige Bewerbermappe im PDF-Format herunterladen – d. h. auf der Website gibt man seine Daten ein und erhält ein Standarddokument, das man per E-Mail an Vermieter senden kann. Im Grunde ist das ein Bewerbungsschablone, die Mieter individuell nutzen können.

Darüber hinaus stellt Immowelt Tipps, Lebenslauf-Vorlagen und Druckformulare bereit. Die Kontaktaufnahme erfolgt meist per E-Mail: Auf der Seite gibt es einen „Kontakt“ Button, der entweder ein Nachrichtenformular öffnet oder direkt E-Mail / Telefonnummer des Vermieters anzeigt (bei gewerblichen Anzeigen).

Es gibt kein zentrales System zur Anfragenverwaltung wie bei ImmoScout – der Vermieter erhält einfach E-Mails oder Anrufe.

Immowelt verifiziert Mieter nicht aktiv, bietet aber Services wie Bonitätsprüfung über SCHUFA-Partner zur freiwilligen Nutzung an.

Verifizierung von Anzeigen:

Als große Plattform prüft Immowelt aktiv neue Inserate. Verdächtige Anzeigen erfordern ggf. Eigentumsnachweis oder Zahlungsnachweis – was viele betrügerische Inserate im Vorfeld blockiert.

Betrugsfälle sind seltener, und wenn, dann stammen sie meist aus externen Quellen (z. B. gefälschte E-Mails, Phishing).

Fazit zu Immowelt:

Die zweitgrößte Plattform im Markt, die sich durch einen demokratischeren Ansatz für Mieter auszeichnet (kein kostenpflichtiger Frühzugang), eine etwas kleinere Nutzerbasis und damit höhere Erfolgschancen für einzelne Mieter.

Immowelt ist benutzerfreundlich – besonders auf mobilen Geräten – das Interface ist angenehm und nicht überladen.

Allerdings ist die Wohnungsanzahl etwas geringer als bei ImmoScout, weshalb Immowelt meist zusätzlich zu Scout genutzt wird.

Für Vermieter bietet Immowelt eine gute Alternative oder Ergänzung: Die Kosten für Inserate sind niedriger, und durch Veröffentlichung auf mehreren Portalen kann man die Reichweite maximieren.

Es gibt keine Möglichkeit, sich über Abos „besser zu verkaufen“ – aber die Zielgruppe ist auch kleiner und gezielter.

Insgesamt hat sich Immowelt als verlässliches und benutzerfreundliches Portal etabliert, das etwas weniger kommerzialisiert wirkt als ImmoScout24, und daher bei vielen Mietern sehr beliebt ist.

Vergleich: ImmoScout24 vs. Immowelt

Ein kompakter Vergleich der beiden Plattformen nach den wichtigsten Kriterien:

  • Reichweite und Nutzerzahlen:
    ImmoScout24 → ca. 40 Mio. Besuche/Monat,
    Immowelt → ca. 15 Mio. Besuche/Monat.
    Scout ist bundesweit präsent – genau wie Immowelt –,
    aber bei der Anzahl der Inserate führt Scout klar
    (viele sagen: „Keine andere Plattform hat so viele Angebote“
    trotz der höheren Konkurrenz).

ImmoScout24 hat Vorteile in Bezug auf Reichweite, aber Immowelt bleibt ein starker Player mit großer Datenbasis. Beide gehören zur Top 3 im deutschen Markt (Immowelt gehört jetzt zu Immonet).

  • Finanzierungsmodell:
    Beide Plattformen bieten aktuell die Möglichkeit für Privatnutzer, kostenlos Inserate zu veröffentlichen,
    aber ImmoScout monetarisiert dies stärker durch Einschränkungen für Mieter (z. B. MieterPlus mit Exklusivzugang).
    Immowelt erlaubt kostenloses Inserieren nur, wenn man in den letzten 24 Monaten kein Inserat veröffentlicht hat
    bei Wiederholung ist es kostenpflichtig.
  • Für Mieter:
    ImmoScout hat das kostenpflichtige Abo MieterPlus (~30 €/Monat),
    mit Vorteilen wie: früher Zugang zu Anzeigen, „Plus“-Markierung, fertige Bewerbung, regelmäßige SCHUFA-Prüfung.
    Immowelt verlangt keine Gebühren – alle Anzeigen sind für alle sofort sichtbar.

Aus Mietersicht kann ImmoScout zusätzliche Kosten verursachen – Immowelt nicht.

  • Für Vermieter (Profis):
    ImmoScout ist deutlich teurer – laut Experten stiegen die Preise in den letzten 10 Jahren um das ~20-Fache.
    Bei Immowelt sind die Preise ebenfalls gestiegen, aber nicht so drastisch.

  • Funktionalität des Bewerbungsverfahrens:
    ImmoScout ist im Bereich digitale Bewerbung deutlich weiter –
    die Kooperation mit Aroov ermöglicht es manchen Vermietern, Bewerbungen direkt über die Plattform in strukturierter Form zu empfangen.
    Immowelt arbeitet traditioneller: Bewerbungen laufen per E-Mail oder Telefon,
    eine zentrale Verwaltung von Bewerbungen gibt es nicht.

ImmoScout bietet über MieterPlus eine vollständige digitale Bewerbermappe, Immowelt nur eine manuelle PDF-Vorlage.

Verifizierung von Bewerbern: Beide Plattformen bieten keine automatische Bewertung oder Scoring (außer SCHUFA-Vermerk bei Scout, wenn gekauft über die Plattform). Die Plattform Wunderflats (eine spezialisierte Nischenlösung) geht weiter, indem sie Namen bis zur Auswahl anonymisiert. Scout/Immowelt zeigen Namen sofort.

ImmoScout zeigt jedoch, ob jemand MieterPlus-Nutzer ist, was indirekt signalisiert, dass diese Person engagiert ist und vollständige Unterlagen hat – ein möglicher Vorteil, aber ohne Garantie.

  • Benutzeroberfläche und User Experience:
    Immowelt punktet mit Übersichtlichkeit auf Mobilgeräten und einfacher Darstellung.
    ImmoScout hingegen gilt als funktional überladen
    für Profis ein Plus, für Alltagsnutzer ein Nachteil.
    Obwohl beide Seiten strukturiert sind, finden viele Immowelt angenehmer im Design.

Was Informationsstruktur betrifft, bietet ImmoScout bei Inseraten mehr Details (z. B. Preisverlauf, Eigentümerhistorie), während Immowelt sich auf das Wesentliche konzentriert.

  • Zusatzangebote und Services:
    ImmoScout bietet mehr – neben Vermietung auch Kauf, Verkauf, Umzug, Renovierung, Finanzierung etc.
    Immowelt ist stärker auf die Wohnungssuche fokussiert.

Scout bietet auch mehr Sektionen, Partnerangebote und Sekundärdienstleistungen. In der Wahrnehmung ist ImmoScout der größte „Marktplatz“, während Immowelt eher eine klassische Mietplattform ist.

  • Ruf und Nutzerfeedback:
    ImmoScout24 wird oft kritisiert – insbesondere wegen des kostenpflichtigen Zugangs für Mieter.
    In Foren wird das manchmal mit dem Kauf eines „VIP-Accounts“ verglichen,
    „nur um überhaupt eine Bewerbung abschicken zu können“.

Immowelt genießt mehr Sympathie – wegen der Kostenfreiheit und des weniger hektischen Charakters. Wenn man allerdings fragt: „Wo soll ich nach einer Wohnung suchen?“
lautet die typische Antwort: „Auf Scout, Immowelt und eBay-Kleinanzeigen.“

Fazit: Man kann nicht eindeutig sagen, welche Plattform besser ist:

  • ImmoScout = maximale Auswahl bei maximalem Wettbewerb,

  • Immowelt = weniger Auswahl, aber auch geringerer Konkurrenzdruck.

lucas


Lukas Müller ist ein erfahrener Immobilienexperte in Deutschland. Seit vielen Jahren beschäftigt er sich mit dem Kauf, Verkauf und der Vermietung von Immobilien – sowohl im privaten als auch im gewerblichen Bereich. Dank seiner umfassenden Marktkenntnisse, seinem ausgeprägten Verhandlungsgeschick und seinem Netzwerk aus Partnern genießt er das Vertrauen zahlreicher Kunden. Lukas Müller steht für Transparenz, Zuverlässigkeit und maßgeschneiderte Lösungen auf dem deutschen Immobilienmarkt.